Standpunkte und Kommentare
| Chancengleichheit für Frau und Mann
Frauen und Männer haben in unserer Gesellschaft unterschiedliche Rollen, machen auch unterschiedliche Erfahrungen und haben unterschiedliche Interessen. Alle Menschen, ungeachtet deren kulturellen Hintergrund, Ethnie, Religion, sozialen Stellung und nicht zuletzt deren Geschlecht, entwickeln sich dann optimal, wenn sie mit all ihren individuellen Anlagen, Fähigkeiten und Begabungen gefördert werden und diese im Alltag und Berufsleben einsetzen können. Diese Möglichkeiten stehen auch heute noch nicht allen Menschen insbesondere den Frauen offen. Und dennoch hat die Stellung der Frau in der Gesellschaft eine lange, positive Entwicklung hinter sich und verändert sich erfreulicherweise ständig weiter. Im letzten Jahrhundert haben Frauen für deren Gleichstellung auf verschiedenen Gebieten viel erreicht. Die Frauenbewegung, bzw. der Feminismus geht von einer grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter aus und begründet die zwischen den Geschlechtern existierenden Unterschiede hauptsächlich durch gesellschaftliche Machtstrukturen und die Sozialisation der Menschen. Die Anhängerinnen dieser Strömung kämpfen für die Aufhebung sämtlicher geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Unterschiede, um so den Menschen zu ermöglichen, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Feminismus hinterfragt und analysiert patriarchalische Werte und soziale Strukturen, die die Dominanz von Männern und die Unterordnung von Frauen behaupten und hervorbringen. Es gibt nicht DIE feministische Theorie, sondern eine Vielfalt von unterschiedlichen Richtungen. Chancengleichheit Selbstverständlich sind auch jene Personen in sog. Machtpositionen im wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich dazu aufgefordert, sich für Chancengleichheit für Mann und Frau einzusetzen, diese zu fördern und zu unterstützen. Gender
Mainstreaming
Die UNO, wie auch der Europarat und die EU haben Berichte zum Gender Mainstreaming verfasst und Instrumente erarbeitet, welche die Staaten zur Einführung von Gender-Mainstreaming-Strategien auf internationaler, nationaler und kommunaler Ebene auffordern und anleiten. Diese Strategien werden propagiert, um die strukturellen Ursachen der Frauendiskriminierung zu beseitigen. Aber nicht nur das. Das Ziel beinhaltet die Erreichung einer Chancengleichheit von Frauen und Männern ohne Einschränkung durch gesellschaftlich bedingte geschlechtsspezifische Rollenmuster. Die unterschiedlichen Zielvorstellungen, Verhaltensweisen, Bedürfnisse und Werte von Frauen werden gleichermassen anerkannt, berücksichtigt und gefördert wie jene der Männer. Der Europarat hat 1998 die gleichstellungspolitische Strategie wie folgt definiert: «Gender Mainstreaming besteht in der (Re-) Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluierung politischer Gestaltungsprozess mit dem Ziel, dass die daran beteiligten Akteurinnen und Akteure die Perspektive der Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Bereichen, auf allen Ebenen und in allen Phasen des Prozesses mit einbeziehen.» So gilt es diese Worte in die Taten umzusetzen, um die Benachteiligung von Frauen, aber auch Männern in den Bereichen aufzuheben, in denen das jeweilige Geschlecht derzeit nicht chancengleich partizipieren kann. So bleibt mir zum Schluss nur noch den humorvollen Sir Peter Ustinov zu zitieren: « Die Männer würden den Frauen gerne das letzte Wort lassen, wenn sie sicher sein können, dass es wirklich das letzte ist.» Eric Sigrist |