Standpunkte und Kommentare

 

Geld regiert die Welt
Zum Staatsbesuch von Jiang Zemin

Chapeau, Bundesrätin Ruth Dreifuss! Dass sie während des Staatsbesuches von Jiang Zemin in der Schweiz klar Stellung zu den Menschenrechts- verletzungen in China und zur Problematik im Zusammenhang mit Tibet genommen hat, ist lobenswert und vorbildlich. Und dies, obwohl Jiang Zemin über den Empfang vor dem Bundeshaus nicht sehr erfreut war. Sein erzürntes Verhalten in seiner Rede war unangemessen, aber eine Bestätigung, dass eine Wahrheit offen dargelegt wurde. Dass die Behörden nicht in das Geschehen der Protestkundgebung eingegriffen haben, ist ebenfalls bemerkenswert.

Nach Angaben der UNO von 1998 wird die Todesstrafe in 90 Staaten vollstreckt. In 27 weiteren Ländern ist sie legal, wird aber seit zehn Jahren nicht mehr vollzogen. China hat in den neunziger Jahren mehr Menschen hingerichtet als der Rest der Welt zusammengenommen. In China ist die Todesstrafe für mindestens 68 Strafbestände vorgesehen. Und wenn Ueli Maurer bedauert, dass der offizielle Empfang nicht in Würde abgelaufen ist, da stellt sich die Fragen, wie es um die Würde des Herrn Zemin steht. Auf einen Besuch der jährlich durchgeführten Sitzung der UNO-Menschenrechts- kommission in Genf hat er jedenfalls gerne verzichtet.Aber den Schwerpunkt bilden nicht die Menschenrechte, sondern in erster Linie werden die möglichen wirtschaftlichen Einbussen bedauert und erst dann die Verletzungen der Menschenrechte berücksichtigt. Dies zeigt einmal mehr, dass Geld die Welt regiert.

Eric Sigrist (Leserforum - Zürcher Unterländer vom 7. April 1999)

 

schliessen