Standpunkte und Kommentare
Wenn Kopft�cher zum Politikum werdenNun hat sie also doch wieder die Schweiz erreicht, die grosse Debatte �ber das Kopftuchtragen. Lange war ich der �berzeugung, dass wir vermutlich nicht aufs Neue mit diesem Thema konfrontiert werden. War wohl naiv von mir. Wenn unsere Nachbarl�nder es f�r n�tig halten, diesbez�glich Gesetze zu schaffen, dann heisst das nicht, dass wir es ihnen gleichtun m�ssen. Sich an solchen Vorbilder zu messen ist ein Leichtes, eigene neue Wege zu gehen, eher beschwerlich. Und so frage ich mich: Ist die Diskussion �ber Kopft�cher nicht etwas l�cherlich? Seit George W. Bush mit seiner krankhaften Paranoia � insbesondere gegen�ber muslimischen Staaten � die Welt verr�ckt macht und eine Massenhysterie erzeugt, indem er diese als �Die Achse des B�sen� bezeichnet, ist die Aufmerksamkeit auf die islamische Welt fixiert. Diesen Trend hat �unsere� autochthone Schweizerische Volkspartei ebenfalls aufgegriffen und bei der Volksabstimmung zu den erleichterten Einb�rgerungsvorlagen der zweiten und dritten Ausl�ndergeneration mit demagogischen Plakaten eine Werbekampagne gestartet und �berdies noch vor einer �Islamisierung� der Schweiz gewarnt. Es verbl�fft also nicht, dass derzeit das Thema Kopftuch auf offene Ohren st�sst. Die Glaubens- und Religionsfreiheit ist in der Schweiz konstitutionell verankert. So hat jeder Einzelne auch das Recht, seine Religion auszu�ben. Wenn man die Ansicht vertritt, dass Religion reine Privatsache sei und diese auch im Privaten auszuleben ist, dann verwundert es einen nicht, dass die sogenannte christliche N�chstenliebe im Alltag keinen Platz findet. Sind Menschen ohne Kopftuch bessere Menschen? Die letzte Volksabstimmung zu den Einb�rgerungsvorlagen hat gezeigt, dass (in der Deutschschweiz?) unterschwellig doch xenophobisches Gedankengut in der Luft liegt. Interessanterweise ist zu bemerken, dass bis anhin die ganze Kontroverse noch nicht auf die j�dische Kippa entbrannt ist. Dies wird wohl in der ganzen Debatte auch niemand wagen. Was also in aller Welt sollte daran st�rend sein, wenn ich an einer Migroskasse oder an einem Bankschalter auf eine Frau mit Kopftuch stosse. Was soll die ganze Polemik �ber das freiwillige Kopftuchtragen aus religi�sen Gr�nden? In der multikulturellen Gesellschaft, in der wir nun mal leben w�re eine gewisse Toleranz, Offenheit und Wissbegierde w�nschenswert. Und auch etwas mehr Gelassenheit und Besonnenheit in der Kopftuchfrage w�ren angezeigt. Jeder Einzelne sollte diesem medialen Hochspielen etwas entgegenhalten. Und zu guter Letzt noch die Frage: Was hat ein Kopftuch mit Integration zu tun? Integration ist ein gegenseitiges Aufeinander-Zugehen und Voneinander-Lernen. Sie umfasst alle Lebensbereiche und Entwicklungsstadien und st�rkt auf nat�rliche Weise die interkulturelle Kompetenz. So steht hinter dem Integrationsgedanken die Ein�bung des Zusammenlebens unterschiedlicher Menschen aus verschiedenen Religionen und Konfessionen, Kulturen und Lebensbereichen. Hier kann jeder seines dazutun. Ohne Missgunst und Feindseligkeit, sondern mit Respekt. So zumindest sollte es sein. Oder sprechen alle nur von Frieden und provozieren stattdessen Krieg? Eric Sigrist |